Die BaFin hat Fehler im Geschäftsbericht 2020 der Allgeier SE festgestellt – fünf Jahre nach dem Bilanzstichtag. Dabei geht es um falsch ausgewiesene Gewinne, fehlerhafte Abschreibungen und eine unkorrekte Eigenkapitalverbuchung. Besonders brisant: Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens war besser, als es der Geschäftsbericht auswies.
Doch was genau wurde falsch gemacht, und welche Konsequenzen hat das für Anleger?
Welche Fehler die BaFin festgestellt hat
Die BaFin hat im Geschäftsbericht 2020 insgesamt drei Fehler identifiziert:
- Zu wenig Gewinn ausgewiesen: Allgeier SE hat bei der Abspaltung der Nagarro Gruppe ein wichtiges Detail übersehen: Die Ausschüttung der Nagarro-Aktien hätte als Verbindlichkeit in der Bilanz stehen müssen. Weil das nicht passiert ist, wurde das Ergebnis um satte 199 Millionen Euro zu niedrig angesetzt. Ein Patzer, denn eigentlich hätte der Gewinn viel besser ausgesehen.
- Falsche Abschreibungen: Wenn ein Unternehmen Vermögenswerte verkauft oder abspaltet, darf es diese nur so lange abschreiben, bis die Entscheidung dazu wirklich feststeht. Allgeier hat aber fröhlich weiter abgeschrieben, obwohl das nicht mehr nötig war. Das hat die Abschreibungen um fast 5 Millionen Euro zu hoch ausfallen lassen – und damit den Gewinn kleiner gemacht, als er hätte sein müssen.
- Eigenkapital falsch verbucht: Beim Verkauf oder der Abspaltung eines Unternehmens müssen bestimmte Eigenkapitalposten umgebucht werden. Das hat Allgeier nicht richtig gemacht, wodurch das Gesamtergebnis um 14,5 Millionen Euro zu niedrig angegeben wurde. Auch hier wurde das Unternehmen also schlechter dargestellt, als es eigentlich war.
Und mein Senf dazu
Die Fehlerfeststellung der BaFin zur Allgeier SE betrifft den Geschäftsbericht 2020 – also eine Bilanz, die bereits einige Jahre zurückliegt. Das zeigt, dass Bilanzkontrollen oft mit erheblichem Zeitverzug erfolgen. Unternehmen und Anleger haben in der Zwischenzeit auf Zahlen vertraut, die nicht korrekt waren. Kurz gesagt: Durch diese Fehler wirkte Allgeier finanziell schwächer, als es tatsächlich war. Ein paar Millionen hier und da – klingt erst mal nicht dramatisch, kann aber bei Anlegern und Investoren für ordentlich Verwirrung sorgen.
Vielleicht hat sich das auch wegen des Aufbaus der BaFin verzögert. Denn schließlich ist sie erst seit der Reform nach dem Wirecard-Skandal alleine für die Bilanzkontrolle zuständig.
Die nun festgestellten Fehler bedeuten, dass die wirtschaftliche Lage von Allgeier SE im Jahr 2020 eigentlich besser war, als es der Geschäftsbericht auswies. Das ist insofern problematisch, als Anleger und Analysten womöglich falsche Schlüsse gezogen haben – etwa über die Stabilität des Unternehmens oder die Tragfähigkeit der Abspaltung.
Grundsätzlich sind die Fehler nicht trivial. Vielmehr zeigen sie, dass komplexe Transaktionen, wie eine Abspaltung, hohe Anforderungen an die Bilanzierung stellen. Gleichzeitig zeigt die späte Fehleraufdeckung, dass das Kontrollsystem der BaFin nicht besonders schnell greift. Vielleicht hat sich dies auch wegen der
Weitere Informationen:
Allgeier SE: Fehler im IFRS-Konzernabschluss (bafin.de)
Ein Beitrag von:
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- Erstellung von (Gerichts-)Gutachten, Stellungnahmen und Analysen zu Bilanzierungssachverhalten
- Fachbuchautorin
- Anhörung als Sachverständige im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Wirecard Skandal des Deutschen Bundestages und im Finanzausschuss zum FISG
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