Seit der Finanzkrise hat das Vertrauen des Kapitalmarktes in die Qualität der externen Abschlussprüfung gelitten. Um die Unabhängigkeit der Abschlussprüfer zu gewährleisten, wird es nunmehr eine sog. externe Rotationspflicht geben. Bisher war nach sieben Jahren eine interne Rotation durch den Wechsel des verantwortlichen Prüfungspartners in der Prüfungsgesellschaft ausreichend (inkl. bestimmter Karenzzeiten).
Durch das neue Gesetz wird die externe Rotation verpflichtend. So beträgt die maximale Prüfungszeit nach dem neuen Gesetz 20 Jahre. Es gibt nach zehn Jahren eine sog. Verlängerungsoption. Diese Option ist allerdings für Kreditinstitute sowie Versicherungsunternehmen nicht möglich aufgrund der besonderen Bedeutung für den Finanzmarkt.
Sofern eine externe Rotation vorgenommen werden muss, muss die Suche nach eines neuen Abschlussprüfers mittels einer Ausschreibung erfolgen. Von der Ausschreibung bis hin zur Auswahl der Prüfungsgesellschaft gibt es detaillierte gesetzliche Vorgaben. Ob diese Änderung zu einer Marktöffnung führt, bleibt fraglich. Bisher war auf dem Prüfermarkt eine nicht unbedeutende Marktkonzentration zu beobachten.
Die Konzentration ist insbesondere im Prüfermarkt der DAX-Konzerne zu erkennen. Diese werden von den sog. Big4-Gesellschaften geprüft. Sind vier Unternehmen hinreichend für einen Wettbewerb oder? Kann er vorliegende Oligopol durch die neue Rotationspflicht aufgebrochen werden? Oder führt dies doch dazu, dass weiterhin von Global Playern einer der Big4-Gesellschaften als Prüfer ausgewählt werden? Viele Fragen, die derzeit kontrovers diskutiert werden.
Dazu sei folgendes angemerkt: Unternehmen, die nicht zu den Big4 gehören, haben oft nicht die Kapazitäten zur Prüfung eines sog. Global Players. Dies betrifft vor allem die Prüfung der DAX-Unternehmen. Es kann davon ausgegangen werden, dass diese auch weiterhin von den Big4 geprüft werden. Inwieweit die Rotationspflicht zu einer Veränderung der Prüfung führt, wird man sehen. Bei der Prüfung von „kleineren“ Unternehmen bleibt abzuwarten, ob die externe Rotationspflicht zu mehr Wettbewerb im Prüfermarkt führen wird.
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